Sonntag, 18. September 2016

Wofür lernen wir? | STUDYTEMBER

Einen kuscheligen Sonntag ihr Lieben!

Heute ist der erste Sonntag seit langem, an dem ich mich endlich so richtig herbstlich & gemütlich fühle. Der Himmel ist grau, die Luft ist kühler und riecht nach Regen & Laub. Alles ist genau so, wie ich es liebe. Also habe ich mir meinen Laptop geschnappt, es mir mit ihm, einer Tasse Tee & Elvis Presley auf meinem Bett gemütlich gemacht & meine Pläne für den heutigen Studytember-Post über Bord geworfen. Ich möchte heute mal keine Tipps oder Anregungen geben, sondern über etwas persönlicheres reden.

Ich habe mich gestern, an meinem ersten lernfreien Tag seit drei Wochen, gefragt, wofür ich eigentlich lerne. Geht es mir wirklich nur um das Lernen um der guten Noten willen? Will ich einfach meine Pflichten erfüllen? Oder geht es noch um mehr?



Ich habe nicht immer so gerne gelernt. In der siebten Klasse war ich eigentlich "viel zu cool", um zu lernen. Damals war ich 12 oder 13 Jahre alt & das neu entdeckte Interesse an Jungs & Cliquen war mir dann doch viel wichtiger als meine schulische Laufbahn. Ich war der Meinung, dass man auch so durchkommt. In dem man einfach nichts tut als anwesend zu sein. Als dann meine erste Fünf ins Haus flatterte bekam ich Panik. Was würden meine Eltern sagen? Würde ich sitzen bleiben? Diese Ängste waren schnell beseitigt. Schließlich war ich ja nicht die einzige mit einer Fünf, ja manche hatten sogar eine Sechs. Was sollte schon passieren? Die Antwort kam in einer Fünf auf dem Zeugnis in Erdkunde. In Erdkunde! Einem Fach, dass ich bis dato eigentlich immer ganz gerne gemocht hatte. & damals habe ich mir geschworen, dass mir sowas nie wieder passieren sollte. Als unterbelichtet wollte ich dann doch nicht gelten. Tja, was soll ich sagen? Es blieb natürlich nicht die letzte Fünf in meinem Leben. Ich bin schließlich nur ein Mensch & Menschen haben Stärken, aber eben auch Schwächen. & meine hieß ganz eindeutig Mathematik. Wo ich in Deutsch & Englisch mit Einsen & Zweien glänzen konnte, mühte ich mich in Mathe an der Grenze zwischen Vier Minus & Fünf ab. Trotz Lernen & Nachhilfe. Lange Zeit hat mir das das Gefühl gegeben, nicht intelligent genug zu sein. Nicht fleißig genug, obwohl ich doch lernte & Hilfe bekam. Was war falsch mit mir? Warum konnte ich kein glatter Einserkandidat sein?

Diese Selbstzweifel verfolgen mich noch bis heute. Aber ich habe beschlossen, mich nicht länger von ihnen auffressen zu lassen. Kein Mensch kann alles können. Kein Mensch ist perfekt. Es wird immer jemanden geben, der bessere Noten als ich hat. Der Dinge schneller versteht. Der weniger lernen muss. Aber das ist okay. Ich bin ich & ich gebe immer so viel, wie es mir möglich ist. & das ist verdammt nochmal genug. Ich bin genug & ihr seid es auch.

Was ich mit diesem Post sagen will ist, dass wir nicht einzig & alleine lernen sollten, um in allem der Beste sein zu wollen. Ja, ich lerne auch für gute Noten & eine gute Zukunft. Aber Lernen umfasst nicht nur Schule, Studium & Beruf. Lernen geht viel weiter. Ich lerne, um mich zu bilden. Weil ich gerne neue Dinge lerne. Weil ich gerne Bescheid weiß. Lernen kann man nicht nur über ein Buch oder den Computer gebeugt. Lernen kann man in so vielen verschiedenen Bereichen des Lebens. Man kann von anderen Menschen lernen. Indem man sie beobachtet, ihnen zuhört. Indem man sich von anderen inspirieren lässt. Lernen kann man, indem man die Zeitung liest oder die Nachrichten schaut. Lernen kann man durch Lesen. Nicht nur durch Fachliteratur oder Biographien. Selbst in Romanen lerne ich ständig neue Dinge, die ich nicht wusste. Ich lerne neue Plätze auf der Welt kennen, neue Religionen, neue Sichtweisen. Lernen kann man sogar dadurch, dass man einfach mal in sich horcht & ein ganz neues Vertrauen in sich selbst fasst. Das ganze Leben ist ein einziger Lernprozess. Es ist okay, Fehler zu machen. Es ist okay, mal etwas zu "vermasseln". Wir sind hier um zu lernen, nicht um alles gleich perfekt zu können.



Wenn ihr aus diesem Post nur eine einzige Aussage mitnehmen wollt, dann bitte die, dass Lernen ein wunderschöner Prozess ist, der uns viele neue Türen öffnen kann. Aber es ist keine Methode um uns selbst fertig zu machen.

Also geht die ganze Sache vielleicht mal etwas anders an & findet eine gute Balance. Ich werde mich heute eine Stunde an den Schreibtisch setzen & fleißig sein & dann werde ich meinen Sonntag mit Lesen, Essen & Faulenzen verbringen & ihn mit einem Kinobesuch mit meiner Schwester & einer Freundin abrunden.

Habt einen gemütlichen & herbstlichen Sonntag,

Kiki ♥

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen